(Zusammenfassung der Quelle: The Register / Liam Proven (Artikel), 02.11.2026)
Wenn ein Unternehmen Stellen abbaut und als Grund „KI und Automatisierung“ angibt, klingt das nach technologischem Fortschritt. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt oft ein anderes Bild. Der Open-Source-Softwareanbieter SUSE, der auch einen großen Standort in Nürnberg unterhält, streicht rund 10 % seiner weltweit 1900 Stellen – etwa 190 Jobs. CEO Dirk-Peter van Leeuwen begründet dies in einer internen Mail mit „automation and AI“ und „exponentially advancing AI capabilities“. Die Realität: SUSE gehört dem schwedischen Finanzinvestor EQT, der das Unternehmen laut Medienberichten im März 2026 zum Verkauf angeboten hat. Gartner-Analysen zeigen: Nur etwa 1 % der angekündigten Stellenkürzungen gehen tatsächlich auf KI-Produktivität zurück. „KI“ wird zur rhetorischen Waffe, um harte Finanzentscheidungen zu verschleiern.
Fakten aus der Quelle
Die zentralen Erkenntnisse
- Der Abbau: SUSE kündigt in einer internen Memo vom 31. Oktober 2026 (verschickt am 4. November) an, rund 10 % der Belegschaft (ca. 190 von 1900 Mitarbeitenden weltweit) abzubauen. Betroffene Mitarbeitende sollen bis zum 4. November informiert werden, Arbeitnehmendenvertretungen am 5. November nominiert, Einzelgespräche beginnen in der Folgewoche.
- Die offizielle Begründung: CEO Dirk-Peter van Leeuwen schreibt, „Automation und KI“ würden fundamental verändern, wie Softwareunternehmen arbeiten. „Moderne Tooling“ verändere bereits die täglichen Workflows, ermögliche schnelleres Arbeiten mit „weniger operativem Overhead und flacheren Berichtslinien“. Der Bedarf an bestehenden Rollen sei „stark gesunken“.
- Der finanzielle Kontext: EQT kaufte SUSE 2018 für 2,5 Milliarden Dollar, brachte es 2021 an die Frankfurter Börse (enttäuschend), nahm es 2023 wieder vom Markt und prüfte laut Medienberichten im März 2026 einen erneuten Verkauf. Zuvor hatte SUSE im September 2026 Mitarbeitende gefragt, ob sie freiwillig gehen wollen – offenbar nicht genug.
- Die fehlenden Details: Welche konkreten Rollen wegfallen, wird nicht genannt. Ob der Standort Nürnberg (einer der größten SUSE-Standorte in Deutschland) betroffen ist, bleibt offen. SUSE behauptet, man habe geprüft, wo Menschen „evolve“ könnten, was sie aufhören und was sie mehr tun sollen – Entscheidungen seien „auf dieser Basis“ getroffen worden.
- Die Mitbestimmung: The Register erwähnt, dass SUSE-Mitarbeitende in Tschechien („geckos“) möglicherweise froh sind, einer Gewerkschaft beizutreten. In Deutschland greifen bei Massenentlassungen Mitbestimmungs- und Kündigungsschutzregeln; ob und wie diese in Nürnberg angewendet werden, ist unklar.
Der kritische Kim-Blick
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Der Fall SUSE zeigt, wie „KI“ zur PR-Formel für Finanzinvestoren wird:
- Die neue Lieblingsbegründung: Wenn ein Finanzinvestor ein Unternehmen für den Verkauf „hübsch macht“, klingt „KI-getriebene Effizienz“ besser als „Kostensenkung für höhere Marge“. Gartner-Daten zufolge ist nur rund 1 % der angekündigten Stellenkürzungen tatsächlich auf KI-Produktivität zurückzuführen. Der Rest ist klassisches Restrukturieren – mit neuem Etikett.
- Das Vakuum der Transparenz: SUSE nennt keine konkreten Rollen, keine Standorte, keine messbaren KI-Produktivitätsgewinne. „Moderne Tooling“ und „flachere Berichtslinien“ sind Buzzwords ohne Substanz. Für Mitarbeitende in Nürnberg bedeutet das: Unsicherheit, bis der Betriebsrat eingebunden wird und deutsche Mitbestimmungsregeln greifen.
- Die Blaupause für Deutschland: Was bei SUSE passiert, wird Schule machen. Deutsche Unternehmen mit ausländischen Investoren werden „KI“ als Begründung für Stellenabbau nutzen, weil es nach Innovation klingt statt nach Gier. Betriebsräte und Gewerkschaften müssen lernen, diese Rhetorik zu durchschauen und konkrete Nachweise für KI-bedingte Produktivitätsgewinne zu fordern.
Kim prophezeit
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Basierend auf der Instrumentalisierung von KI für Finanzentscheidungen wage ich diese Prognose:
- Das „KI-Gutachten“ wird Pflicht: Betriebsräte in Deutschland werden durchsetzen, dass Arbeitgebende bei KI-begründeten Kündigungen ein externes Gutachten vorlegen müssen, das belegt, welche konkreten KI-Tools welche Rollen in welchem Umfang ersetzen. Ohne Nachweis keine Kündigung.
- Die KI-Klausel im Arbeitsvertrag: Tarifverträge werden erstmals „KI-Transformationsklauseln“ enthalten: Wenn ein Unternehmen Stellen wegen KI abbaut, muss es betroffenen Mitarbeitenden vorrangig Umschulungen und interne Versetzungen anbieten – mit Beweislast beim Arbeitgebenden.
- Der Exit-Backlash: Finanzinvestoren, die Unternehmen mit KI-Begründung „lean“ machen und verkaufen, werden bei der nächsten Übernahme auf massiven Widerstand stoßen. Belegschaften und Betriebsräte werden präventiv Betriebsvereinbarungen durchsetzen, die Private-Equity-typische Maßnahmen erschweren.
Kim, Dein JOBfellow, empfiehlt:
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Lass dich nicht von KI-Rhetorik einlullen – prüfe die Fakten und verteidige deine Rechte:
- Für Mitarbeitende bei Finanzinvestor-Firmen („Fordere Beweise“): Wenn dein Arbeitgebender Stellen mit „KI“ begründet, verlange über den Betriebsrat konkrete Nachweise: Welche KI-Tools? Welche messbaren Produktivitätsgewinne? Welche Rollen genau? In Deutschland greift bei Massenentlassungen (mehr als 5 % in Betrieben ab 20 Mitarbeitenden) der Kündigungsschutz – nutze ihn.
- Für Betriebsräte und Gewerkschaften („Durchleuchte die Zahlen“): Fordere Einsicht in die „future strategy“ (bei SUSE für den 16. November angekündigt) und gleiche sie mit den behaupteten KI-Produktivitätsgewinnen ab. Lass dir von externen KI-Expert*innen erklären, ob die genannten Tools tatsächlich die Stellen ersetzen können. Wenn nicht: verhandle Abfindungen oder Umschulungen statt Kündigungen.
- Hinterfrage die Verkaufsabsicht: Wenn ein Finanzinvestor ein Unternehmen zum Verkauf anbietet (wie EQT bei SUSE im März 2026) und kurz darauf Stellen abgebaut werden, ist das kein Zufall. Die Kürzungen dienen der Marge, nicht der KI-Transformation. Mache das öffentlich – Transparenz schützt Arbeitsplätze.
Häufige Fragen
Wie viele Stellen baut SUSE ab und warum?
SUSE streicht rund 10 % seiner weltweit 1900 Stellen (ca. 190 Jobs). CEO Dirk-Peter van Leeuwen begründet dies mit „Automation und KI“, die den Bedarf an bestehenden Rollen stark gesenkt hätten.
Welche Rollen sind konkret betroffen?
SUSE nennt keine konkreten Rollen oder Standorte. Die betroffenen Mitarbeitenden sollen bis zum 4. November 2026 informiert werden, Arbeitnehmendenvertretungen am 5. November nominiert werden.
Was hat der Finanzinvestor EQT damit zu tun?
EQT besitzt SUSE seit 2018, nahm es 2023 von der Börse und prüfte laut Medienberichten im März 2026 einen Verkauf. Der Stellenabbau könnte dazu dienen, das Unternehmen für Käufer attraktiver zu machen.
Wie viele Stellenkürzungen gehen tatsächlich auf KI zurück?
Laut Gartner-Analysen sind nur rund 1 % der angekündigten Stellenkürzungen tatsächlich auf KI-Produktivität zurückzuführen. Der Rest sind klassische Restrukturierungen mit neuer Begründung.
Welche Rechte haben Mitarbeitende in Deutschland bei KI-begründeten Kündigungen?
In Deutschland greift bei Massenentlassungen (mehr als 5 % in Betrieben ab 20 Mitarbeitenden) der Kündigungsschutz. Betriebsräte müssen eingebunden werden und können Sozialpläne verhandeln. Ob der Nürnberger Standort betroffen ist, ist unklar.