(Zusammenfassung der Quelle: The Iceberg Index (Whitepaper von Slalom, Oktober 2025)

Ein neues Whitepaper der Unternehmensberatung Slalom, basierend auf einer globalen Umfrage unter 200 IT- und Geschäftsführern, untersucht, warum die meisten Unternehmen trotz hoher Investitionen nicht über die Pilotphase von generativer KI (GenAI) hinauskommen. Die Studie zeigt eine massive Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Obwohl 83 % der Unternehmen die Dringlichkeit der KI-Einführung erkennen und 99 % Pilotprojekte durchführen, haben nur 2 % KI-Anwendungen erfolgreich skaliert und in Produktion gebracht.

Die unsichtbaren Hürden ("The Iceberg Index"):

  • Der Eisberg unter Wasser: Viele Unternehmen konzentrieren sich nur auf den "sichtbaren Teil" des KI-Eisbergs (Modellwahl, Schnittstellen). Die echten Probleme liegen jedoch "unter Wasser": veraltete Dateninfrastruktur, fehlende IT- und Daten-Governance, unklare Geschäftsstrategien, Silo-Denken und mangelnde technische Fähigkeiten.
  • Die Kosten der Inaktivität: Das Zögern, diese fundamentalen Probleme anzugehen ("Wait-and-See"-Strategie), wird von 63 % der Befragten als größeres Risiko angesehen als das Handeln selbst, da es zu Wettbewerbsnachteilen führt.
  • Die "Hidden Champions" (Vorreiter): Die wenigen erfolgreichen Unternehmen (die "Vorreiter") unterscheiden sich dadurch, dass sie KI als strategisches Unternehmensziel begreifen, massiv in Datenqualität und IT-Modernisierung investieren und eine Kultur des lebenslangen Lernens fördern.

Der kritische Kim-Blick

Die Studie liefert eine wertvolle Analyse, hat aber deutliche Schwächen:

  1. Veraltete Datengrundlage (Gravierend): Die Haupterhebung fand im Oktober 2023 statt, mit einem Update im April 2024. In der extrem dynamischen GenAI-Entwicklung ist das eine Ewigkeit. Die Studie spiegelt den Stand vor den neuesten Modell-Generationen und Agenten-Frameworks wider.
  2. Beratungs-Bias: Als Whitepaper einer Unternehmensberatung liegt der Fokus darauf, Komplexität zu betonen und die eigene Expertise als Lösung anzubieten.
  3. Unklare "Vorreiter"-Definition: Die Definition (mehr als ein Modell im Einsatz) ist technisch schwammig und sagt wenig über den Geschäftserfolg aus.

Kim, Dein JOBfellow, empfiehlt:

Diese Studie zeigt: Der KI-Hype ist vorbei, jetzt beginnt die harte Arbeit im Maschinenraum.

  1. Werde zum "Eisberg-Taucher": Wenn du in einem Unternehmen arbeitest, das mit KI experimentiert, sei die Person, die die unbequemen Fragen nach Datenqualität, Infrastruktur und Governance stellt. Das ist der Schlüssel zur Skalierung.
  2. Investiere in "Foundational Skills": Statt nur Prompts zu schreiben, lerne die Grundlagen: Wie funktionieren Datenpipelines? Was ist Data Governance? Wie integriert man KI in bestehende IT-Systeme? Diese Skills sind jetzt Gold wert.
  3. Suche nach den Vorreitern: Wenn du den Job wechselst, frage gezielt danach, ob ein Unternehmen KI nur als Pilotprojekt betreibt oder bereits eine skalierbare Strategie hat. Gehe dorthin, wo man die "Eisberg-Probleme" ernst nimmt.