Leistung von IT-Azubis mit und ohne KI nach Aufgabenniveau
Hochschulniveau mit KI70 %
Hochschulniveau ohne KI41 %
Prüfungsniveau mit KI66 %
Prüfungsniveau ohne KI22 %

Anteil der erreichten Punkte bei verschiedenen Aufgabentypen; 673 IT-Azubis im letzten Ausbildungsjahr · Quelle: ifo Institut / BIBB / TU München / FAU Erlangen-Nürnberg, 2026

Daten als Tabelle
KategorieWert
Hochschulniveau mit KI70 %
Hochschulniveau ohne KI41 %
Prüfungsniveau mit KI66 %
Prüfungsniveau ohne KI22 %
KI-Nutzung vs. KI-Ausbildung in Berufsschulen
84 %nutzen KI bereits
16 %lernen richtigen Umgang in der Berufsschule

Befragung von IT-Azubis · Quelle: ifo Institut / BIBB / TU München / FAU Erlangen-Nürnberg, 2026

(Zusammenfassung der Quelle: ifo Institut / ifo Institut (Studie mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), der TU München und der FAU Erlangen-Nürnberg), 29.10.2026)

Die Grenze zwischen Berufsausbildung und Hochschulabschluss verschwimmt durch KI rasant. Eine neue Studie des ifo Instituts mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), der TU München und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: IT-Azubis können mit ChatGPT Aufgaben lösen, die eigentlich auf Hochschulniveau liegen – und zwar mit Erfolg. In einem Feldexperiment mit 673 angehenden Fachinformatiker*innen an zwölf Berufsschulen erreichten die Auszubildenden mit KI-Unterstützung rund 70 Prozent der möglichen Punkte bei Hochschulaufgaben, ohne KI nur 41 Prozent. Das Paradoxe: Während 84 Prozent der Azubis KI bereits nutzen, lernen nur 16 Prozent in der Berufsschule, wie sie richtig damit umgehen. Die Ergebnisse stellen nicht nur die Bewertung von Qualifikationen in Frage, sondern auch den Wert klassischer Bildungsabschlüsse in der IT-Branche.

Fakten aus der Quelle

Die zentralen Erkenntnisse

  • Der Hochschul-Sprung: Mit ChatGPT Pro und Internetzugang holten IT-Azubis bei Aufgaben auf dem Niveau von Software- und Netzwerkingenieur*innen rund 70 Prozent der möglichen Punkte – ohne KI nur 41 Prozent. Die KI ermöglichte ihnen, Aufgaben zu bearbeiten, die normalerweise studierte Fachkräfte erledigen.
  • Das Experiment: Von Oktober 2025 bis Januar 2026 testeten die Forschenden 673 angehende Fachinformatiker*innen für Anwendungsentwicklung und Systemintegration im letzten Ausbildungsjahr an zwölf Berufsschulen in sechs Bundesländern. Per Zufall wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt: eine mit ChatGPT Pro und Internet, die andere ohne Internet wie in Prüfungen üblich. Alle bearbeiteten vier Aufgaben auf Vortest-, Prüfungs- und zweimal Hochschulniveau.
  • Prüfungsniveau massiv gesteigert: Auch bei Aufgaben auf Abschlussprüfungsniveau half die KI deutlich. Hier steigerten die Azubis ihren Punkteanteil von rund 22 auf rund 66 Prozent. Laut Studienautor Philipp Lergetporer (TU München) versuchten viele Azubis ohne KI die schwersten Aufgaben gar nicht erst – KI half gerade dort am meisten, wo sie allein nicht weiterkamen.
  • Selbstbeigebrachte Kompetenz entscheidet: Besonders gut schnitten Azubis ab, die ihre eigenen KI-Kompetenzen beim Arbeiten und Lernen höher einschätzen. Diese Fähigkeit bringen sie sich bisher meist selbst bei. Zwar nutzen 84 Prozent der befragten Azubis KI bereits in der Berufsschule, doch nur 16 Prozent geben an, dort zu lernen, wie sie richtig damit umgehen.
  • Kein unmittelbarer Verständnisverlust: Das eigene Verständnis der Azubis litt nicht durch den KI-Einsatz. Direkt nach jeder Aufgabe beantworteten alle Teilnehmenden Fragen zum Inhalt ohne Hilfsmittel. Die Gruppe mit KI schnitt dabei nirgends schlechter ab, oft sogar besser. Mitautorin Hanna Brosch (FAU Erlangen-Nürnberg) betont jedoch: Ob die Leistungssteigerungen tatsächlich ohne Einbußen beim Verständnis einhergehen und das Gelernte langfristig erhalten bleibt, muss weitere Forschung klären. Die Tests liefen mit dem KI-Stand von Ende 2025 (ChatGPT Pro, Erhebung Oktober 2025 bis Januar 2026).

Der kritische Kim-Blick

Die Studie entlarvt das deutsche Bildungssystem als dramatisch unvorbereitet auf die KI-Revolution:

  • Die Berufsschul-Lücke als Strukturproblem: 84 Prozent nutzen KI, aber nur 16 Prozent lernen in der Berufsschule den richtigen Umgang. Das heißt: Das System überlässt die wichtigste Zukunftskompetenz dem Zufall oder der Selbstlernfähigkeit einzelner. Wer sich KI nicht selbst beibringt, wird systematisch abgehängt – und das entscheidet sich nicht nach Talent, sondern nach Eigeninitiative und Zugang.
  • Der tote Winkel der Langzeitfolgen: Die Tests liefen mit dem KI-Stand von Ende 2025 – heutige Modelle dürften solche Aufgaben merklich besser lösen, die 70 Prozent sind also eher eine Untergrenze. Umso schwerer wiegt, was offenbleibt: Die Forschenden wissen nicht, ob das Verständnis langfristig erhalten bleibt. Das ist die entscheidende Frage. Wenn Azubis mit KI zwar heute Hochschulaufgaben lösen, aber in zwei Jahren ohne Tool hilflos sind, haben wir eine Generation von Fachkräften herangezogen, die nur so gut ist wie ihr letzter Prompt.
  • Das Ende der Qualifikations-Hierarchie: Wenn IT-Azubis mit ChatGPT dieselben Aufgaben lösen wie studierte Ingenieur*innen, bricht die klassische Pyramide (Ausbildung < Bachelor < Master) zusammen. Unternehmen werden nicht mehr nach Abschluss einstellen, sondern nach gezeigter Fähigkeit, KI-Tools zu orchestrieren. Das ist eine Chance für Quereinsteiger*innen – und eine Bedrohung für alle, die auf ihren Titel pochen.

Kim prophezeit

Basierend auf dem deutlichen Leistungsplus mit KI im Experiment wage ich diese Prognose:

  • Der „KI-Pflichtführerschein“ für alle Azubis: Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird die Kultusministerkonferenz verpflichtende KI-Module in alle Berufsschulcurricula aufnehmen – nicht nur für IT-Berufe. Ohne zertifizierte KI-Kompetenz wird keine Abschlussprüfung mehr bestanden werden können.
  • Prüfungen werden zur „Open-KI-Klausur“: Da das Verbot von KI in Prüfungen faktisch nicht durchsetzbar ist und die Studie zeigt, dass KI das Verständnis nicht unmittelbar schadet, werden Berufsschulen und IHKs ihre Prüfungen komplett umstellen. Künftig wird in Prüfungen explizit mit KI gearbeitet – bewertet wird nicht das Ergebnis, sondern der Lösungsweg und die Qualität der Prompts.
  • Der Bachelor verliert in der IT seinen Wert: Wenn Azubis mit KI auf Ingenieursniveau arbeiten können, werden IT-Unternehmen massiv von Hochschulabsolvent*innen auf Ausbildungsplätze umstellen. Der klassische Informatik-Bachelor wird in fünf Jahren nur noch für Forschung und Spezialgebiete relevant sein – für Standard-Entwicklung reicht die Ausbildung plus KI-Kompetenz.

Kim, Dein JOBfellow, empfiehlt:

Nutze die KI-Chance, aber verstehe die Grenzen:

  • Für Azubis und Berufseinsteigende („Lerne den Motor, nicht nur das Gaspedal“): Nutze ChatGPT intensiv, um schneller zu lernen und komplexere Aufgaben anzugehen. Aber zwinge dich regelmäßig, Aufgaben komplett ohne KI zu lösen – nur so merkst du, ob du die Prinzipien wirklich verstanden hast oder nur copy-paste betreibst. Deine Karriere hängt davon ab, dass du in fünf Jahren auch mit neuen, unbekannten Tools arbeiten kannst.
  • Für Lehrkräfte und Ausbildende („Unterrichte Prompting wie früher Programmiersprachen“): Beende die Selbstlern-Lotterie. Bau systematische KI-Didaktik in deinen Unterricht ein: Wie formuliere ich gute Prompts? Wie überprüfe ich KI-Ausgaben? Wie erkläre ich, was die KI gemacht hat? Wer das nicht tut, bildet Fachkräfte aus, die nur so lange funktionieren, wie ihnen das KI-Tool zur Verfügung steht.
  • Hinterfrage deine Einstellungskriterien: Wenn du im Recruiting noch nach Hochschulabschluss filterst, obwohl Azubis mit KI dieselben Aufgaben lösen können, verschenkst du Talente. Stell auf kompetenzbasierte Assessments um, die ausdrücklich den Umgang mit KI-Tools testen – und bewerte, wie Bewerbende Probleme mit KI lösen, nicht welchen Titel sie haben.

Häufige Fragen

Wie viel besser schneiden IT-Azubis mit KI bei Hochschulaufgaben ab?

Mit ChatGPT erreichten IT-Azubis bei Aufgaben auf Hochschulniveau rund 70 Prozent der möglichen Punkte, ohne KI nur rund 41 Prozent. Bei Aufgaben auf Abschlussprüfungsniveau stieg der Anteil von rund 22 auf rund 66 Prozent.

Wie viele IT-Azubis nutzen bereits KI in der Berufsschule?

84 Prozent der befragten Azubis nutzen KI bereits in der Berufsschule. Allerdings geben nur 16 Prozent von ihnen an, dort zu lernen, wie sie richtig damit umgehen. Die meisten bringen sich die KI-Kompetenz selbst bei.

Leidet das Verständnis der Azubis durch den Einsatz von KI?

Unmittelbar nach den Aufgaben zeigte sich kein Verständnisverlust. Die Gruppe mit KI schnitt bei Verständnisfragen ohne Hilfsmittel nirgends schlechter ab, oft sogar besser. Ob das Gelernte langfristig erhalten bleibt, muss laut den Forschenden jedoch weitere Forschung klären.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Von Oktober 2025 bis Januar 2026 führten die Forschenden ein Feldexperiment im regulären Unterricht an zwölf Berufsschulen in sechs Bundesländern durch. 673 angehende Fachinformatiker*innen im letzten Ausbildungsjahr wurden per Zufall in zwei Gruppen geteilt: eine mit ChatGPT Pro und Internet, die andere ohne Internet wie in Prüfungen üblich.